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“Hört auf Euer Bauchgefühl!”

Für 3buchstaben haben sich Blogger Enno Park und Datenschutz-Kritiker Klaus Peukert an einen Tisch gesetzt. Google Plus oder Facebook – welches Soziale Netzwerk ist besser?
3buchstaben: Enno, warum finden alle Google Plus so toll?
Enno: Der Hauptvorteil bei Google Plus ist meiner Meinung nach die elegante Art, die Leute in verschiedene Circles, also Kreise einzuteilen. Und ganz gezielt einen Post nur an ausgewählte Gruppen zu schicken. Nach anfänglicher Begeisterung halte ich aber nicht mehr so viel von diesem Feature.
3buchstaben: Warum?
Enno: Man sollte Google Plus mehr als Distributionskanal sehen. Ich kann zum Beispiel mit zwei Freundeskreisen verschiedene Interessen teilen, mit dem einen Programmierung, mit dem anderen Katzen-Bilder. Und dann teile ich meine Freundeskreise in Circles ein, damit ich die Programmierer nicht mit Katzen nerve.
3buchstaben: Klaus, was hältst Du von Google Plus?
Klaus: Ich sehe da die Gefahr, dass sich die User in einer Sicherheit wiegen, die es gar nicht gibt. Es ist nur eine gefühlte Sicherheit. Einen Vorteil hat Google Plus aber wirklich: Der Lock-In-Effekt fehlt. Bei Facebook ist man eingesperrt und kommt da nicht mehr raus. Bei Google Plus gibt’s die Möglichkeit, seine Daten zu exportieren. Ich kann alles, was ich irgendwann mal geschrieben habe, und auch meine Kontakte in ein anderes Soziales Netzwerk mitnehmen. Dadurch habe ich tatsächlich eine gewisse Kontrolle über meine Daten.
3buchstaben: Wird der Datenschutz in Sozialen Netzwerken also besser durch die Konkurrenz von Google Plus?
Enno: Die Konkurrenz verändert schon etwas. Das Facebook, das wir die ganze letzte Zeit benutzt haben, gibt es seit ein paar Tagen so nicht mehr. Beim Datenschutz ist das etwas anders. Es müsste eine kritische Masse geben, die Facebook aus Datenschutzgründen nicht mehr benutzen will. Genau das passiert aber nicht. Was etwas bringt, ist staatlicher Druck. Google oder Facebook wollen natürlich keinen Ärger kriegen und halten sich an bestimmte Spielregeln.
3buchstaben: Gerade haben wir ja in Deutschland eine Diskussion über den Like-Button, den andere Webseiten bei sich einbinden können. Mehrere Datenschutzbeauftragte der Bundesländer wollen das verbieten, weil beim Klicken Daten an Facebook übertragen werden.
Klaus: Reines Datenschutztheater. Seit Jahr und Tag werden in Webseiten Elemente eingebunden. Auch an Youtube wird die IP-Adresse übermittelt oder eben an Google Maps, wenn man eine Karte einbindet für eine Wegbeschreibung. Und ausgerechnet bei Facebook soll das nun böse sein.
3buchstaben: Aber kapitulieren wir damit nicht vor dem Internet, anstatt uns neue Lösungen zu überlegen?
Enno: Ein Stückweit Kapitulation ist es schon, wenn man alles komplett unreguliert lassen möchte. Die Post-Privacy-Position ist (Anm. d. Red.: Post Privacy meint, dass Datenschutz im Internet weder möglich noch wünschenswert ist), dass sowieso alles nach und nach in irgendeiner Form im Netz protokolliert wird, zum Beispiel weil wir unser Smartphone immer mit uns rumtragen und dadurch Bewegungsdaten erfasst werden. Das ist tatsächlich etwas, das wir nicht mehr zurückdrehen können. Das passiert. Die Frage ist jetzt, erlauben wir allen, mit diesen Daten alles machen zu können oder regulieren wir das in irgendeiner Form.
3buchstaben: Was ist euer Rat an die Nutzer? Wie soll ich mich verhalten?
Enno: Wo ihr ein schlechtes Bauchgefühl habt, tut das einfach nicht ins Netz. Soziale Netzwerke sind schließlich ganz klar öffentliche Räume. Aber: Wenn meine Krankenkasse meine Krankendaten speichert oder mein Telefonprovider meine Bewegungsprofile, ist das eben nicht öffentlich. Wenn die datenschutzkritische Spackeria also sagt, Privatsphäre sei ein Konzept von gestern, nee, da widerspreche ich. Teilweise ist das über Gesetze nicht machbar, da geht es auch um technische Lösungen.
Klaus: Uns geht es hauptsächlich darum, dass der Staat sich komplett rauszuhalten hat. Sowohl indem er unsere Daten nicht missbraucht, als auch indem er uns nicht wie eine Super-Nanny vorschreibt, was wir zu machen haben. Bei Unternehmen wie Facebook, da kann ich einfach sagen, ich mach nicht mit. Die haben keine Wasserwerfer und können mich nicht nachts um sechs abholen.
die ennomane: In seinem Blog kannst Du noch mehr über Enno Park erfahren.
Die datenschutzkritische Spackeria: Hier gibt’s mehr von den Datenschutzkritikern um Klaus Peukert.
